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View Full Version : Unfall bei der Entschärfung einer deutschen Seemine



Munibob
06.05.2004, 12:27
Am 31. Januar 2004 wurde im Hafen von Sewastopol (Ukraine) eine deutsche Seemine entdeckt, die zunächst an Land gebracht wurde. Bei dem Versuch der Entschärfung der Mine wurde die Geheimhalteeinrichtung (eine Sprengfalle zum Schutz der Zündeinrichtung) ausgelöst und tötete zwei Entschärfer. Die Sprengladung der Mine selbst ist nicht ausgelöst worden, die Behörden der Ukraine haben dann um Unterstützung gebeten.
Kann mir jemand sagen, wie es weiter gegangen ist?

EOD
01.08.2004, 22:05
Am 31. Januar 2004 wurde im Hafen von Sewastopol (Ukraine) eine deutsche Seemine entdeckt, die zunächst an Land gebracht wurde. Bei dem Versuch der Entschärfung der Mine wurde die Geheimhalteeinrichtung (eine Sprengfalle zum Schutz der Zündeinrichtung) ausgelöst und tötete zwei Entschärfer. Die Sprengladung der Mine selbst ist nicht ausgelöst worden, die Behörden der Ukraine haben dann um Unterstützung gebeten.
Kann mir jemand sagen, wie es weiter gegangen ist?

Da gibt es auch ein Bild dazu! Mehr weiß ich aber auch nicht...

PzGr40
01.08.2004, 23:34
Look on the Militaria fundforum , Sonstige munition, Seamine , it also has an picture added. :(

Munibob
05.08.2004, 16:17
Look on the Militaria fundforum , Sonstige munition, Seamine , it also has an picture added. :(

1. hat ALEXru wortwörtlich bei mir abgeschrieben
2. muß man sich anmelden, um sich die Bilder ansehen zu können :evil: - und ich kann nicht immer gleich überall Formumsmitglied werden (WK2AMMO bietet mir alles, was ich brauche)
3. Kann man mit den Aussagen zur Nachkriegs- G2 bzw. zur BM 1000 "Monika" egentlich nichts anfangen, wenn es um eine LM B geht.

Hier einmal ein paar Daten, die wk2ammo würdig sind (hoffe ich):
Es gab im 2. WK bei den deutsche Streitkräften 5 Luftminen, d. h. von einem Flugzeug aus (mit Fallschirm) abgeworfene Kampfmittel, die nicht durch den Aufschlag oder mit eine Zeitverzögerung zur Wirkung kommen (Bomben), sondern erst bei einem bestimmten Ereigniss auslösen sollten. (Unter dieser Betrachtung ist die deutsche Bezeichnung "Luftmine" für die britischen HC 2000/HC 4000 ja eigentlichg falsch, sie bezieht sich lediglich auf den große Sprengstoffenteil - auch ein 2 cm Minengeschoß schwebt ja nicht solange in der Luft, bis endlich einmal ein Flugzeug daherkommt ... :wink: ) Die eingeführte Bezeichnung setzte sich zusammen aus dem Kürzel LM (LuftMine) und einem folgenden Buchstaben. Hauptsächlich eingesetzt wurden die LMA, LMB und LMF, es gab wohl auch die LMC und LMD (ob es eine LME gab, weiß ich nicht).
Weiterhin gab es die BombenMine BM 1000

Die LMA als Vorkriegsentwicklung (1928-1934) hatte bei einem Gesamtgewicht von 540 kg eine Wirkladung von 300 kg, bei der parallel entwickelten LMB war deutlich größer 965 kg Gesamtgewicht) als die LMA und hatte eine Wirkladung von 700 kg Sprengstoff. Beide Luftminen konnten (nach Entfernen von Fallschirm und Abschlußhaube) mit einem Wurfwagen auch von Überwasserfahrzeugen verlegt werden, sie hatten dann die Bezeichnung LMA/S bzw. LMB/S. Bei den LMA bzw. LMB handelte es sich um Grundminen, die (abhängig von den eingesetzten Zündgeräten) in eine Wassertiefe von mindestens 8 und maximal 35 Meter geworfen wurden
Die LMF (1050 kg, 290 kg Ladung) war dagegen eine Ankertaumine, die in Wassertiefen von bis zu 300 Metern eingesetzt wurde.
Die LMB gab es in den Ausführungen I bis III (Unterschiede lediglich marginal) und der LMB IV, deren Hülle - bis auf das Zündergehäuse - aus Preßpappe und Bakelit gefertigt war.
Eingesetzt wurden mit den LMA/LMB verschiedene Fernzündgeräte, die auf unterschiedliche physikalische Ereignisse ansprachen: Magnetisch (z.B. die Fernzündgeräte M 1, M 3), akustisch (A 1, AA 1, AA 2) magnetisch-akustisch (MA 1, MA 2), Druckänderung-magnetisch (DM 1)


Nachdem die deutsche Vorkriegsentwicklung der BIK-Zündgeräte (Balloninklinatorium") die britische Marine zunächst völlig überrascht hatte, wurde bereits am 23.11.1939 eine Magnetmine geborgen, entschärft und zerlegt. Es dauerte dann immerhin bis in das Frühjahr 1940, bis die britischen Experten das System erkannt und ein geeignetes Räumverfahren entwickelt hatten.
Aufgrund des hohen technischen Entwicklungsstandes der späteren Fernzündeinrichtungen wollte man dieses natürlich unbedingt vermeiden. Hierzu wurden diverse Zusatzeinrichtungen für die verschiedenen Fernzündungsminen entwickelt, in die LMB konnten verbaut werden:
Z.E. II (Zeiteinrichtung): Unschaft machen der Mine nach einer bestimmten Zeit (76 Stunden bis 6 Tage)
Z.K. (Zählkontakt) Schaltet erst nach einer bestimmten Anzahl von Zündkontakten (1 bis 12 oder 15 x Überlaufen von Schiffen ) scharf
V.K. (Verzögerungskontakt): verzögert die Auslösung der Mine (zwischen 4 und 38 Sekunden), um z.B. gegen Sperrbrecher zu wirken (Detonation erst unter dem Sperrbrecher)
Li.S. (Lichtsicherung): Zündauslösung der Mine beim Heben ("Lichten") der Mine höher als 2 m Wassertiefe. Spricht auch an beim Trockenfallen der Mine z.B. bei Ebbe oder beim Anbohren der Mine unter Wasser (Entschärfungsversuch)
Weiterhin kommte die LMB mit dem Bombenzünder VzZ34A+ bzw. LMZUS Z 34B oder dem 157/3 von Rheinmetall ausgestattet werden. Dieser sollte die Mine beim Aufschlag auf eine feste Oberfläche (z.B. Fehlwurf an Land oder in zu geringe Wassertiefe) zur Detonation bringen. Und dann muß man noch davon ausgehen, daß Lageänderungen der Mine die hochempfindlichen magnetischen Fernzündgeräte zum Ansprechen bringen können

Außerdem gab es direkte "Entschärferfallen", die jeden Zugang zu der Zündeinrichtung unterbinden sollten (sog. "Geheimhalteeinrichtung"):
1. ein elektrischer Kontakt hinter der hinteren Verschlußplatte:
Beim Öffnen der Verschlußplatte schließt der Kontakt einen Stromkreis der Hauptbatterie, der die eine kleine Ladung zur Detonation bringt.
2. eine mechanische federgespannte Vorrichtung, die statt eines oder zwei der 36 Haltebolzen eingesetzt wurde:
Beim Entfernen der Muttern des Minendeckels löst die Vorrichtung mechanisch aus und zündet eine "kleine" Ladung (1.000 Gramm reichen, wenn man direkt davor sitzt.
Nur zur Information: für die BM 1000 gabe es noch zwei weitere Fallen:
1. zwei Fotozellen, die beim Öffnen der Abdeckung die Mine zur Detonation bringen
2. eine Vorrichtung aus zwei unterschiedlichen Drähten, die mit Salz ummantelt sind. Nach dem Öffnen der Abdeckung (mit allen vorher genannten Fallen!) tritt Luftfeuchtigkeit zu, löst des Salz auf und es entsteht ein kleine elektrische Zelle, die über ein Relais die Hauptladung der Mine zur Detonatin bringt.
Und zu guter (?) Letzt war es Sitte, unter dem Bombenzünder noch einen ZusZ 40 einzubauen, um es "denen da drüben" nicht zuuu einfach zu machen ...

Auch wenn man davon ausgehen kann, daß die Hauptbatterien dieser Minen nach nunmehr 60 Jahren nicht mehr die erforderliche Spannung und Leistung haben, um die Hauptladung elektrisch zu zünden, sind da immer noch die rein mechanisch arbeitenen Vorrichtungen unter den Abdeckungsschrauben bzw. dem Bombenzünder.

Bereits die deutsche Minenräumvorschrift Nr. 13 von 1946 schreibt: "Diese Minen sind deshalb auch, wenn irgent angängig - geringe zu erwartende Schäden an Baulichkeiten müssen unter Umständen in Kauf genommen werden - an Ort und Stelle durch Sprengen zu beseitigen."
Damit ergibt sich be

mag
05.08.2004, 16:24
Ich war mal so frei und hab das Bild geholt... :D

Hoffe es hilft!

zünder
05.08.2004, 17:29
@Munibob: Super Beitrag !

Ich hab mal zwischen meine Vorschriften gesucht und das hier gefunden.

zünder
05.08.2004, 17:33
...

zünder
05.08.2004, 17:35
....

zünder
05.08.2004, 17:37
...

rigby
05.08.2004, 20:43
@Munibob

WOW, bin beeindruckt. :shock:
Super geschrieben und hoch interssant.

gruß
rigby

genkideskan
16.03.2011, 11:39
Alles hochinteressant ......

Was macht nun der Zünder 157/3 genau ??? Langzeitzünder - Entschärfungssicherung ?

mikefil
20.03.2011, 21:37
Hier mal ein anderes Foto davon das ich selber in Dresden an der Sprengschule gemacht habe

Gruß mikefil

dscheto
21.03.2011, 22:44
Alles hochinteressant ......

Was macht nun der Zünder 157/3 genau ??? Langzeitzünder - Entschärfungssicherung ?
Eine Zerschellsicherung als Zusatzzünder, spricht erst an, wenn die Kräfte des Aufpralles so groß sind, dass der Körper zu zerplatzen droht.
Ist auch eine Sicherung gegen Entschärfung und Preisgabe der Mechanismen für den Feind.